Vom Wildschwein zum Qualitätsfleisch
Die Qualität von Schweinefleisch wurde erstmals verändert, als der Mensch eingefangene Wildschweine in Gehege sperrte und damit die gefährliche Jagd ersetzte. Das hatte zur Folge, dass die Tiere ihr Futter nicht mehr suchen mussten und sich weniger bewegten – ihr Fleisch wurde fetter. Besonders große Qualitätsunterschiede kamen jedoch erst ab dem 19. Jahrhundert auf. Seither versuchen Züchter speziellen Verbraucher- und Verarbeiterwünschen nachzukommen.
Die Entwicklung der Schweinezucht
Mit der Zucht und Haltung der Tiere bildete sich allmählich ein Wissen darüber heraus, welche Bedingungen Schweine brauchen, um ein qualitativ hochwertiges Fleisch zu entwickeln. Bis ins 19. Jahrhundert waren Schweine hochbeinige, schlanke Weidetiere.
Bis ins 19. Jahrhundert
Bis ins 19. Jahrhundert waren Schweine meist hochbeinige, schlanke Weidetiere. Sie bewegten sich viel und suchten einen Teil ihres Futters selbst, etwa auf Weiden, in Wäldern oder auf abgeernteten Feldern. Dadurch unterschied sich ihr Körperbau deutlich von heutigen Mastschweinen. Mit der zunehmenden Haltung durch den Menschen entstand nach und nach mehr Wissen darüber, welche Bedingungen die Fleischqualität beeinflussen.
Ab dem 19. Jahrhundert
Ab dem 19. Jahrhundert setzte sich die Stallmast immer stärker durch. Durch sorgfältige Zuchtauswahl und gezielte Mastverfahren wurden Schweine runder, kurzbeiniger und für die reine Stallhaltung besser geeignet. In dieser Zeit wuchs auch die Nachfrage nach Schweinefleisch und Speck, besonders in den Städten. Züchter begannen daher, Tiere auszuwählen, die schnell wuchsen und einen hohen Fettanteil aufwiesen.
Um 1900
Um 1900 wurde die Zucht weiter professionalisiert. Deutsche Landschweine wurden zunehmend mit englischen Rassen gekreuzt, um leistungsfähigere Tiere zu erhalten. Ziel waren robuste Schweine, die sich gut mästen ließen und den damaligen Ernährungsgewohnheiten entsprachen. Fleisch und Fett waren wichtige Bestandteile der Küche, weshalb fettreichere Schweine damals durchaus erwünscht waren.
Ab den 1960er Jahren
Ab den 1960er Jahren veränderten sich die Wünsche der Verbraucher deutlich. Da immer weniger Menschen schwere körperliche Arbeit verrichteten und Ernährungsfachleute vor einem zu hohen Fettkonsum warnten, wurde mageres Schweinefleisch stärker nachgefragt. Verbraucher wünschten sich größere Edelteile wie Schinken, Karree und Filet. Gleichzeitig legten Verarbeiter Wert auf festes Fett und ein gutes Safthaltevermögen des Fleisches.
Handelsklassenverordnung
Mit der Handelsklassenverordnung wurde das Fleisch-Fett-Verhältnis zu einem wichtigen preisbestimmenden Kriterium. Je höher der Muskelfleischanteil und je günstiger das Verhältnis von Fleisch zu Fett war, desto besser wurde ein Schlachtkörper bewertet. Dadurch verstärkte sich der Druck auf die Landwirtschaft, schlankere und fleischreichere Schweine zu züchten. Die Klassifizierung orientierte sich zunehmend an messbaren Kriterien wie Fleisch- und Fettanteil.
Das moderne Schwein
Die Landwirtschaft begann schließlich mit der gezielten Züchtung eines schlanken, fleischreichen Schweins. Moderne Schweine haben heute deutlich weniger Fett als ihre Vorfahren. Außerdem wurden Schweine auf größere Edelteile und mehr Fleischansatz gezüchtet.
Woran erkennt man Qualitätsfleisch?
- Frische Farbe: Schweinefleisch hat eine zartrosa bis kräftig rosarote Farbe. Es sollte nicht grau, blass oder fleckig wirken.
- Angenehmer Geruch: Frisches Fleisch riecht neutral bis leicht frisch. Ein säuerlicher, muffiger oder unangenehmer Geruch ist ein Warnzeichen.
- Feste Struktur: Fleisch sollte eine gewisse feste Struktur aufweisen. Drückt man leicht darauf, sollte es nicht matschig wirken.
- Leichte Marmorierung: Kleine Fettäderchen im Fleisch sorgen für Saftigkeit und Geschmack.
- Gutes Safthaltevermögen: Fleisch verliert nicht übermäßig viel Wasser in der Verpackung oder beim Braten.
- Fettanteil: Das Fett sollte hell bis weißlich sein und fest wirken. Gelbliches oder schmieriges Fett ist kein gutes Zeichen.
- Saubere Oberfläche: Die Fleischoberfläche sollte leicht feucht, aber nicht nass, klebrig oder schmierig sein.
- Gute Reifung: Richtig gereiftes Fleisch ist aromatischer und zarter. Es lässt sich besser zubereiten und bleibt beim Braten saftiger.
- Herkunft und Haltung: Qualität beginnt schon bei Zucht, Fütterung, Haltung und Stressvermeidung vor der Schlachtung. Diese Faktoren beeinflussen Geschmack, Zartheit und Saftigkeit.
- Verpackung und Kühlung: Die Kühlkette muss eingehalten werden. Die Verpackung sollte unbeschädigt sein und das Verbrauchsdatum beachtet werden.


